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IDO Ticket

Ticketsystem einführen: so gelingt der Umstieg vom Support-Postfach

Von Martin Leue, Geschäftsführer der IDO GmbH Aktualisiert am

Illustration: Ticketsystem einführen: so gelingt der Umstieg vom Support-Postfach

Ein gemeinsames Support-Postfach funktioniert, solange zwei Leute es betreuen und jeder weiß, was der andere tut. Sobald mehr Menschen antworten, mehrere Produkte dazukommen oder jemand im Urlaub ist, gehen Anfragen verloren, Kunden bekommen zwei Antworten oder gar keine. Ein Ticketsystem löst genau das: Jede Anfrage hat einen Status, einen Zuständigen und einen vollständigen Verlauf. Die Einführung ist in einem kleinen Team an einem Tag erledigt, wenn Sie sich auf wenige Regeln beschränken.

Woran Sie merken, dass das Postfach nicht mehr reicht

  • Sie fragen im Team „Hat schon jemand geantwortet?“, bevor Sie antworten.
  • Kunden schreiben nach einigen Tagen noch einmal, weil sie nichts gehört haben.
  • Wichtige Hinweise stehen in internen Weiterleitungen, die der nächste Bearbeiter nicht findet.
  • Jede App oder jedes Produkt hat ein eigenes Postfach, und keiner hat alle im Blick.
  • Sie können nicht sagen, wie viele Anfragen gerade offen sind.

Trifft mehr als einer dieser Punkte zu, kostet Sie das Postfach mehr Zeit, als ein Ticketsystem kostet.

Wenige Status genügen

Viele Systeme bieten Dutzende Status an. Ein kleines Team braucht fünf, und jeder davon beantwortet eine einfache Frage:

StatusBedeutungWer ist dran?
NeuNoch niemand hat das Ticket angesehendas Team
OffenIn Arbeit oder der Kunde hat geantwortetder Zuständige
Wartet auf KundeWir haben eine Frage gestelltder Kunde
GelöstWir halten die Sache für erledigtniemand, der Kunde kann wieder öffnen
GeschlossenEndgültig abgeschlossenniemand

Wichtig ist der Übergang zurück: Antwortet der Kunde auf ein gelöstes Ticket, muss es automatisch wieder offen werden. Sonst übersieht man genau die Fälle, in denen die Lösung doch nicht geklappt hat.

Zuständigkeit: einer pro Ticket

Ein Ticket gehört genau einer Person. Das heißt nicht, dass nur sie schreiben darf, aber sie sorgt dafür, dass es weitergeht. Bewährt hat sich: Wer ein neues Ticket als Erster öffnet und bearbeiten kann, weist es sich zu. Wer es nicht lösen kann, weist es weiter und schreibt eine interne Notiz dazu, warum. So steht im Ticket selbst, was passiert ist, und niemand muss im Chat nachfragen.

Interne Notizen statt Weiterleitungen

Im Postfach werden Rückfragen ans Team meist als Weiterleitung verschickt. Die Antwort landet in einem anderen Postfach, und der nächste Bearbeiter sieht sie nicht. Im Ticketsystem schreibt man stattdessen eine interne Notiz in das Ticket. Der Kunde sieht sie nie, das Team immer. Auch Angaben wie „Kunde hat Tarif Team, Fehler tritt nur im Export auf“ gehören dorthin.

Kanäle: wo Tickets herkommen

Die meisten Anfragen kommen über drei Wege: E-Mail, ein Formular auf der Website oder direkt aus der Anwendung. Am meisten spart der dritte Weg. Ist der Kunde in Ihrer App angemeldet, wissen Sie bereits, wer er ist, welchen Tarif er hat und auf welcher Seite er gerade war. Ein Formular in der App, das diese Angaben automatisch mitschickt, erspart die ersten zwei Rückfragen. Wie das technisch aussieht, steht auf unserer Seite für Entwickler, die ihre App anbinden.

E-Mail bleibt trotzdem wichtig: Viele Kunden antworten lieber auf eine Mail als sich anzumelden. Ein gutes Ticketsystem verschickt Antworten deshalb auch per Mail und ordnet die Rückantwort dem richtigen Ticket zu.

Der Umstieg in fünf Schritten

  1. Status und Zuständigkeitsregel festlegen, wie oben beschrieben. Eine halbe Seite reicht.
  2. Zugänge für alle anlegen, die antworten. Wer nur gelegentlich hilft, bekommt trotzdem einen Zugang, damit seine Antworten im Verlauf stehen.
  3. Die Kanäle verbinden: Formular in der App, Formular auf der Website, Antworten per Mail.
  4. Einen Stichtag wählen. Ab dann werden neue Anfragen nur noch im Ticketsystem beantwortet. Offene Mails im alten Postfach arbeiten Sie noch ab, ohne sie umzuziehen.
  5. Nach zwei Wochen zusammensetzen: Was hat gestört? Meistens sind es Kleinigkeiten wie Benachrichtigungen, die zu oft oder zu selten kommen.

Typische Fehler

  • Zu viele Kategorien: Wer beim Antworten erst eine von zwanzig Kategorien wählen muss, wählt irgendeine. Starten Sie ohne oder mit drei.
  • Tickets nie schließen: Ein Posteingang mit 400 gelösten Tickets zeigt nicht mehr, was wirklich offen ist.
  • Benachrichtigungen für alle: Wenn jede Kundenantwort an das ganze Team geht, liest sie bald niemand mehr. Sinnvoll ist: neue Tickets an alle, Antworten nur an den Zuständigen.

Checkliste

  • Fünf Status und eine Regel für die Zuständigkeit festgelegt
  • Zugang für jeden, der antwortet
  • Formular in der App sendet Kundennummer und Kontext mit
  • Antworten gehen per Mail raus, Rückantworten landen im Ticket
  • Stichtag für den Umstieg gesetzt
  • Nach zwei Wochen Rückblick im Team
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